GOOD NEWS FROM GOOD PEOPLE


Diesmal: „Verein ZARA – Zivilcourage und Antirassismus “: Habibi & Hawara-Bloggerin Janina Lebiszczak traf Caroline Kerschbaumer, Leiterin ZARA Beratung, zum Gespräch über 20 lange Jahre für ein besseres Miteinander – on- wie auch offline.

GOOD NEWS FROM GOOD PEOPLE

ZARA hat hehre Ziele – und zwar Rassismus und Hass im Netz zu bekämpfen. Seit 1999 bereits setzt man sich für eine rassismusfreiere Gesellschaft und ein faires, friedvolles Miteinander ein. Das Team besteht aus engagierten Einzelpersonen mit unterschiedlichen Blickwinkeln und Expertisen aus Theorie und Praxis, die zu einer Gesellschaft beitragen wollen, die Ausgrenzung kritisch hinterfragt. Um das zu erreichen, hat ZARA seine Tätigkeiten in drei Säulen strukturiert: Beratung, Training sowie Informations- und Öffentlichkeitsarbeit. ZARA Beratung bietet kostenlose Entlastungsgespräche, Rechtsauskunft, und Unterstützung bei rechtlichen oder sonstigen Schritten an; ZARA Training widmet sich mit seinem Workshop- und Fortbildungsangebot der Präventionsarbeit –  und die Informations- bzw. Öffentlichkeitsarbeit beschäftigt sich mit den ZARA Schwerpunkten auf theoretischer sowie praktischer Ebene, führt Projekte gegen Rassismus und Hass im Netz durch und veröffentlicht themenrelevante Informationen und versucht mit all diesen Initiativen so viele Personen wie möglich zu erreichen.

Im Vorjahr wurde der Verein – konkret der von Sigrid Maurer und ZARA ins Leben gerufene „Rechtshilfefonds gegen Hass im Netz“ –  mit dem Menschenrechtspreis „GEORG“ im Rahmen des „This Human World Film Festivals“ ausgezeichnet. Dadurch soll das kostenlose, rechtliche Beratungsangebot von ZARA ausgebaut, sowie Klagen von Betroffenen finanziert werden.

„Es motiviert uns, Zivilcourage in Aktion zu sehen.“

H&H: Was treibt eine*n ZARA-Mitarbeiter*in an?

Caroline: Was unser Team unter anderem so sehr verbindet, ist das gemeinsame Ziel, ein gesellschaftliches Zusammenleben, das auf Respekt basiert und Diskriminierung sowie Ausgrenzung kritisch hinterfragt, aufarbeitet und generell vereint. Anti-Rassismus-Arbeit beinhaltet die Notwendigkeit sich auszutauschen, einander zu stärken und wahrzunehmen – speziell die ZARA Berater*innen, die regelmäßig mit belastenden und schwerwiegend Vorfällen konfrontiert sind. Sich mit Kolleg*innen zu besprechen kann mitunter ausschlaggebend sein.

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H&H: Was motiviert euch?
Caroline: Ein stark ausgeprägter Gerechtigkeitssinn. Die Zustände in diesem Land und der Fakt, dass es so viel zu tun gibt, auf dem Weg zu einer Gesellschaft, in der Chancengleichheit herrscht, treibt uns enorm an.  Zudem motiviert es uns, Zivilcourage in Aktion zu sehen. Wir wollen immer und immer mehr Menschen dazu inspirieren, solidarisch und zivilcouragiert zu agieren.

Weiteren Ansporn tragen wir aus unserer Beratungsarbeit und aus der Situation, dass wir Betroffene sehen, die sich wehren wollen. Uns motiviert obendrauf, Betroffenen das Gefühl zu geben, dass sie nicht allein sind und dass sie etwaige Schritte, um ihre Rechte durchzusetzen, nicht allein setzen müssen.

H&H: 20 Jahre ZARA wird heuer gefeiert – euer Resumée?
Caroline: In den zwei Jahrzehnten hat sich so einiges verändert. Einiges hat sich auch zum Besseren entwickelt, anderes ist im Großen und Ganzen gleichgeblieben und zusätzlich sind neue Herausforderungen dazugekommen. Zivilgesellschaftliche Partizipation und Zivilcourage zeigen sind jedenfalls heute genauso wichtig wie damals.

H&H: Wie werdet ihr feiern?
Caroline: Unsere 20 Jahres Feier wird – wie es sein soll – an einem symbolträchtigen Feiertag, dem 26. Oktober, im Wiener Rathaus gefeiert. Wir werden in die Vergangenheit blicken und aufzeigen, weshalb Anti-Rassismus-Arbeit wichtig ist und was bereits verändert und was noch nicht erreicht bzw. verändert werden konnte. Mit dabei sind – ganz zu unserer Freude – eine Vielzahl an langjährigen Partner*innen sowie Menschen, mit denen wir zukünftig Projekte realisieren wollen. Wir können es kaum erwarten, die letzten 20 Jahre mit unseren Gästen Revue passieren zu lassen und uns gemeinsam der Zukunft zuzuwenden.

„Betroffene bringen uns ein Vertrauen entgegen, mit dem wir behutsam umgehen müssen und wollen.“

H&H: Wo muss man verstärkt ansetzen?
Caroline: Die sozialen Medien bieten, anders als früher, dynamische Plattformen für die rasche Verbreitung von Botschaften aller Art. Besonders gefährlich wird es aber, wenn Vorurteile und Rassismen bzw. rassistische Diskriminierung verbreitet werden. Die Nutzung der sozialen Medien führt wiederum zu einer Intensivierung von Feindbildkonstruktionen und Falschmeldungen.  Wir sehen aber auch, dass es viele Menschen gibt, die zivilcouragiert handeln. Tatsächlich gibt es viele Menschen in Österreich, die Rassismus und Hass im Netz wahrnehmen, Verantwortung übernehmen und aktiv werden. Sie stehen auf und sagen „das ist nicht in Ordnung“, sie stehen Betroffenen zur Seite und sie melden Vorfälle an ZARA! Die Message, dass wir uns einbringen können, dass Zivilcourage etwas bringt, wollen und müssen wir weiterhin mehr und mehr nach Außen tragen, um noch mehr Menschen zu inspirieren und darin zu bestärken, sich für andere und gegen Rassismus und Hass im Netz einzusetzen.

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H&H: Wer kommt zu euch in die Beratung?

Caroline: Die Menschen, die zu uns kommen bringen ganz unterschiedliche Geschichten mit und zeigen viel Mut, den man*frau dringend benötigt, um sich einer Unrechtserfahrung stellen zu können. Direkt Betroffene bringen uns ein Vertrauen entgegen, mit dem wir behutsam umgehen müssen und wollen.  Manchmal ist es für Klient*innen bereits eine enorme Unterstützung, in einem geschützten Rahmen über ihre Diskriminierungserfahrungen sprechen zu können und auf Berater*innen zu treffen, die zuhören, die direkt Betroffene in ihren Erlebnissen ernst nehmen und die Vorfälle dokumentieren. Anderen Personen wiederum ist es wichtig, sich gegen solche Vorfälle zur Wehr zu setzen, über rechtliche Möglichkeiten aufgeklärt zu werden und diese dann gegebenenfalls auch zu nutzen. Auch hier unterstützen wir soweit es uns möglich ist. Das können außergerichtliche Einigungen sein oder auch die Unterstützung bei der Einleitung eines Gerichtsverfahrens. ZARA Berater*innen begleiten Klient*innen zu Behörden und unterstützen ganz allgemein bei all den möglichen und gewünschten Schritten, soweit diese als sinnvoll erachtet werden.  Jede Person und jede Geschichte ist gewissermaßen einzigartig und sehr viele Menschen und Geschichten bleiben in Erinnerung und begleiten ZARA weiter. Ausgewählte Einzelfälle, um auf die Qualität von rassistischen Übergriffen aufmerksam zu machen, publizieren wir anonymisiert im Rassismus Report, der Jahr für Jahr am 21. März – dem internationalen Tag gegen Rassismus – erscheint.

„Wer hinsieht und hinhört, kann viel bewegen!“

H&H: Hass im Netz ist eines der großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit – wie kann man gegensteuern?

Caroline: Das ist definitiv ein Thema, das viel Aufmerksamkeit verdient und zum Glück immer wieder auch bekommt, weil es jede*n betreffen kann und wir erst lernen müssen, wie damit umgegangen werden kann. Einerseits ist es ausschlaggebend, aufzuzeigen, was passieren kann und Menschen über unterschiedliche Online-Verhaltensweisen zu informieren. In weitere Folge wäre es wichtig ebenfalls aufzuzeigen, welche rechtliche Schritte gesetzt werden können.

H&H: Wie können wir Vorurteile – und jeder hat welche – abbauen?
Caroline: Wichtig ist es, öfter zu hinterfragen und zu reflektieren, woher Vorurteile kommen. Jeder trägt Vorurteile in sich, doch diese sind in den meisten Fällen erlernt. Die Gesellschaft, das vorherrschende System oder auch unser direktes Umfeld prägt uns und liefert immer Vorurteile mit. Es liegt an jedem selbst diese zu Hinterfragen und Dinge aufzurollen, die man als selbstverständlich und klar angesehen hat. Bei ZARA Training bieten wir spezielle Trainings an, in denen man sich mit den eigenen Vorurteilen kritisch befasst. Die Übungen helfen, mehr Bewusstsein über die eigenen Vorurteile zu erlangen und das wiederum hilft, einen reflektierteren Umgang zu lernen.

H&H: Was sind eure Visionen für eine gute, gemeinsame, respektvolle Zukunft in diesem Land?
Caroline: Hinsehen, hinhören und mitmischen sind Dinge, die wir als wichtig erachten. Rassismus, Diskriminierung und Ungerechtigkeiten müssen adressiert und aufgezeigt werden, doch auch gleichzeitig mögliche Lösungen und Zivilcourage präsentiert werden. Wer hinsieht und hinhört, kann viel bewegen!